
Nun muß ich also auch noch mein W-Lan abschließen. Sollte es nicht ausreichend gegen Missbrauch geschützt sein, hafte ich für den entstandenen Schaden. Die Schuld liegt einmal mehr nicht nur bei den Kriminellen, sondern auch bei dem Sorglosen. So schließen wir das Fahrrad an einen unbeweglichen Gegenstand, modizieren unsere Privateinstellungen in Facebook und meiden dunkle Gassen. Dass wir damit unsere Lebensqualiät zu Gunsten einer vermeindlichen Sicherheit immer weiter einschränken sollte uns nicht erst auffallen, wenn wir nackt am Flughafen stehen.
Denn seltsamerweise nimmt das diffuse Gefühl der Bedrohung stetig zu, während die Polizeistatistiken seit Jahren ein Abnehmen der Kriminaltaten verzeichnen. Doch mit den Mitteln der Angst wird seit Jahren Politik gemacht: Die zunehmende Überwachung der Bürger, getarnt als Terrorbekämpfung ist nur der Anfang gewesen, es wurden Millarden zur Rettung der geldleidenen Banken ausgegeben und sogar unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt.
Die Mechanismen sind immer die gleichen: Die diffuse Angst – gespeist von Einzelfällen – wird medial zu einer existenziellen Gefahr, die nur mit bitteren Mitteln bekämft werden kann. Zeit also, wieder im Privaten für unsere Freiheit zu kämpfen: Es ist der der Böse der Schuft, nicht der Sorglose.
Intro 184, Juli 2010